So, dann werde ich mal zusammentragen, was in den ersten zwei Wochen alles passiert ist.
Am Freitagmorgen (18.9.) bin ich also auf dem Flughafen in Brisbane gelandet. Danach fuhr ich eine halbe Stunde mit einer Mischung aus S-Bahn und Regionalexpress nach Brisbane rein, wo mich Ole vom Bahnhof abholte und ich mich in Oles WG etwas erholte. Da ich mich halbwegs fit fühlte und die Kopfschmerzen nach 30 Stunden Frischluftentzug auch langsam nachließen, ging es abends mit dem Mietwagen nach
Byron Bay (östlichster Punkt des australischen Festlandes). Neben Ole waren noch die anderen SAP Research Praktikanten Christian, Martin (beide HPI), Norman, Robert, Sebastian (alle BA Karlsruhe) und seine Freundin Connie dabei. Nach einer Pizza haben wir uns bei vollkommener Dunkelheit noch ein wenig am Strand entspannt. Übernachtet haben wir die kommenden zwei Nächte in einer Backpacker Lodge namens Belongil Beachouse für 24 AUD die Nacht. Naja, drei Doppelstockbetten pro Raum und geteiltes Bad mit einem anderen Raum. Außerhalb der Behausungen standen Schließfächer aus Holz und Christian hatte zufällig ein Schloss dabei, so dass wir unsere Wertsachen dort einschließen konnten. Strange.
Samstag wollten wir uns auf dem Surfbrett versuchen. Zeitlich passte uns zunächst keines der Kursangebote, letztendlich ergab sich doch noch eine Möglichkeit (65 AUD). Am Nachmittag ging es dann mit dem Minibus ans Wasser, da jedoch unser Surflehrer noch die Kamera vergaß, verzögerte sich alles noch etwas. Am Strand folgte eine Aufwärmphase und etwas Theorie. Unterdessen erlitt Norman einen Kollaps, kurze Zeit später ging es ihm aber schon wieder besser. Beim Check im Krankenhaus wurde nichts festgestellt, so dass er wenig später auch noch auf das Wasser ging. Sonderlich viel geklappt hat bei mir allerdings nicht, am Schwierigsten war für mich, die richtige Position auf dem Brett zu finden. Wenn man schon nicht richtig auf dem Brett draufliegt, verliert beim Aufstehen schon sehr früh das Gleichgewicht und landet direkt im Wasser. Windsurfen empfand ich da als wesentlich einfacher. Immerhin sah es bei den anderen schon besser aus, die es teilweise sogar geschafft haben, eine ganze Welle zu stehen. In Byron Bay haben wir dann noch einen kurzen Abstecher zum Leuchtturm gemacht, allerdings wurde es dann schon sehr schnell dunkel. Nach einem Happen (18 Stunden gebratenes Steak!?) Essen waren wir nochmal kurz in der Lodge und gegen 21 Uhr ging es dann ins Cheeky Monkey's, eine Party Bar. Da an jenem Abend Ladies Night war, gab es einen Striptease-Contest von vier männlichen Gästen. Zumindest war es der Stimmung zuträglich, so dass wenig später schon die ersten Leute auf den Tischen tanzten. Und es wurde nur auf den Tischen getanzt :D Allerhand schräge Typen trieben sich dort rum, so dass man sich gut amüsieren konnte, wenn einem das Ganze noch fremd war. Die Parties gehen hier sehr früh los und sind spätestens um drei Uhr wieder vorbei.
Sonntag haben wir ein paar Stunden am Strand verbracht, bevor es dann bei Tageslicht nochmal zum Leuchtturm ging, wo wir bis in den späten Nachmittag hinein zwischen den Felsen herumgeklettert sind. Gegen 17 Uhr sind wir dann los Richtung
Nimbin, ein kleiner Ort, in dem vor über 30 Jahren mal ein Hippie-Festival statt gefunden hat und diese Kultur bis heute überlebt hat. Allerdings war dort nach Anbruch der Dunkelheit schon nichts mehr los, so dass wir nach einem Rundgang durch den Ort gleich weiter gen Brisbane fuhren. Gras wurde uns natürlich trotzdem angeboten...^^
Montagmorgen habe ich mir noch eine australische SIM-Karte und ein Bankkonto bei der Westpac geholt. Da Ole zu diesem Zeitpunkt kein Internet bei sich zu Hause hatte, bin ich nach dem Mittagessen mit ins SAP-Büro gekommen. Das Büro (vielleicht 40-50 Mitarbeiter) hat keine eigene Kantine, ringsherum gibt es aber viele kleine Restaurants (Montag: vietnamesisch, Dienstag: indisch), wo man relativ günstig essen kann. Im Büro hat mich Dani (u.a. für Administration und Personal zuständig) gleich ein paar Leuten vorgestellt und mich ein wenig herumgeführt. Den Rest der Zeit habe ich dann ein WG-Zimmer im Internet gesucht. Letztendlich habe ich mir Dienstag eine für 180 AUD/Woche ("Don't eat in your bedroom!"), eine für 130 AUD/Woche (sah ein bisschen schäbig aus ;)) und Mittwoch morgen noch eine für 180 AUD/Woche (hochgerechnet auf den Monat etwa 460 Euro) angeschaut, die ich dann auch direkt genommen habe. Diese
2er-WG ist gut 5 Minuten zu Fuß vom
Büro entfernt, ist in einem recht guten Zustand und hat noch einen kleinen Garten hinten dran. Das Zimmer ist relativ groß, wobei das Queen-Size-Bett schon ziemlich viel Platz beansprucht, und ist mit großen Schreibtisch und Kleiderschrank möbiliert. Mitbewohner ist ein Südtiroler (eigentlich suboptimal, wenn man die Sprache lernen will^^), der hier Doktorand für Musik ist.
Wenige Stunden nachdem ich mir diese Wohnung angeschaut hatte, sollte es mit Ole von Brisbane über Sydney nach
Nadi/Fiji gehen. Wegen eines Sandsturmes wurde allerdings der Flughafen in Sydney bis zum Mittag gesperrt, so dass unser Flug nach Sydney also nicht planmäßig um kurz nach 10 Uhr ging. Ole fragte derweil am Qantas-Schalter nach, ob wir nicht den Direktflug von Brisbane nach Nadi nehmen könnten, schließlich hatten wir Angst, dass wir unseren Anschlussflieger in Sydney verpassen und die ganze Urlaubsplanung über den Haufen geworfen wird. Jedenfalls war der Direktflug gerade weg und Ole kam demnach ein paar Minuten zu spät zum Schalter. Der Sandsturm zog dann noch weiter nach Brisbane, weshalb die Sicht doch deutlich eingeschränkt war und wir erst etwa um 13 Uhr losflogen. In Sydney hatte dann allerdings so ziemlich jeder Flug Verspätung, so dass unser Flug nach Nadi erst halb 5 ging und wir demzufolge noch zwei Stunden Aufenthalt in Sydney hatten. In unserem Resort in Nadi waren wir erst halb 12 (+2 Stunden Zeitverschiebung), woraufhin wir unter sternenklarem Himmel noch kurz im Meer gebadet und uns in den Hängematten entspannt haben. Nach einer ziemlich kurzen Nacht und einem ebenso kurzen Frühstück ging es kurz nach 7 Uhr mit dem Bus zum Hafen, von wo wir mit einem großen gelben Katamaran, dem Yasawa Flyer (von dem Ding habe ich keine Fotos, siehe deshalb
hier), zu einer Inselgruppe im Norden, den Yasawa-Inseln, gefahren sind. Nach drei Stunden Fahrt erreichten wir das
Mantaray Island Resort, wo wir den Rest des Tages mit Entspannen, Baden, Sonnenbrand holen und Schnorcheln verbracht haben. Direkt vor dem Resort waren die Korallen aber bereits abgestorben, so dass es lediglich ein paar wenige Fische und kleinere Fischschwärme zu sehen gab. Die Mahlzeiten sind auf diesen einsamen Inseln immer bindend, d.h. Mittag und Abendessen (in beiden Resorts, in denen wir waren, war beides äußerst lecker) müssen noch zuzüglich bezahlt werden, je nachdem zu welcher Uhrzeit man dort ankommt. Die Zeiten für die einzelnen Mahlzeiten waren in beiden Resorts identisch (8-9, 12-13, 19-20 Uhr) und wurden immer durch lautes Trommeln angekündigt. Freitag wollten wir eigentlich mit dem Boot hinausfahren, um beim Schnorcheln Mantarochen anzuschauen. Allerdings müssen diese von Angestellten des Resorts immer erst gesichtet werden, bevor dann tatsächlich ein Boot mit den ganzen Touristen hinausfährt. An jenem Morgen wurden jedoch keine gesichtet, weshalb wir uns entschieden, am Vormittag die Insel noch ein wenig mehr zu erkunden. Einer der Angestellten zeichnete (!) uns freundlicherweise eine Karte mit den Strandabschnitten der Insel. Überhaupt ist die Freundlichkeit dieser Menschen sehr bemerkenswert, wobei man wirklich das Gefühl hat, dass diese von Herzen kommt und nicht eine Art Verpflichtung darstellt. Jedenfalls hat sich diese Inselerkundung in vielerlei Hinsicht gelohnt, entdeckten wir noch viel schönere Strände als den, der direkt vor unserem Resort lag. Für den Nachmittag ab 15 Uhr hatten wir eine vom Resort organisierte Schnorcheltour geplant, allerdings kündigte kurz zuvor ein lautes Trommeln am Strand an, dass die Mantarochen doch noch gesichtet wurden. Wenig später fuhren wir fünf Minuten mit dem Boot raus und schwammen mit einem Rochen, der eine Spannweite von schätzungsweise gut vier Meter hatte. Eigentlich unvorstellbar, die Größenverhältnisse sind unter Wasser sowieso schwer einschätzbar. Kurze Zeit schwamm er vielleicht einen halben Meter unter der Wasseroberfläche direkt neben den ganzen Schnorchlern, in diesem Moment wurde recht gut deutlich, wie riesig dieses Tier tatsächlich ist. Die paar Unterwasserfotos, die ich gemacht habe, können das wahrscheinlich schwer wiedergeben, was sich da vor dem Auge abgespielt hat.
Samstag sind wir dann mit dem Katamaran weiter zur
Oarsman's Bay Lodge gefahren, die den Traumstrand schon direkt vor der Tür hat. Die Korallen waren zwar dort auch schon fast abgestorben, immerhin gab es noch mehr und noch buntere Fische zu bestaunen. Sonntagvormittag nutzten wir die Zeit nochmals und erwanderten die Hügel der Insel, von denen sich ein fantastischer Blick über die Insel selbst sowie die umliegenden Inseln bot. Nach dem Mittag ging es dann mit dem Yasawa Flyer innerhalb von vier Stunden wieder zurück nach Nadi, bevor es dann am nächsten Morgen sehr früh über Sydney zurück nach Brisbane ging.
Abends habe ich mir gleich noch den Schlüssel für die neue Wohnung geholt, so dass ich Dienstagmorgen einziehen konnte. Die restlichen Tage der Woche war ich dann mit einkaufen (ein paar Dinge, die ich unbedingt noch brauchte, waren tatsächlich schwer zu finden^^), sauber machen und Zimmer einräumen beschäftigt.
Am Wochenende waren wir in
Noosa Heads und auf
Fraser Island (größte Sandinsel der Welt). Demzufolge fuhren Ole, Martin, Christian, Norman, Robert und ich am Freitagabend mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Zug und Bahn) innerhalb von knapp vier Stunden Richtung Norden nach Noosa Heads. Unterkunft war wiedermal die Sammelunterkunft in einem Youth Hostel. Nachdem wir nochmal kurz im Bottleshop (nur dort kann man in Australien Alkohol kaufen) waren, haben wir den Abend am Strand ausklingen lassen.
Nächsten Morgen hieß es um halb 6 aufstehen, da viertel 7 bereits der allradbetriebene Minibus wartete, der uns nach Fraser Island brachte. Im Inneren der Insel konnte der Bus wirklich nur etwa 20 km/h fahren, am Strand ging es mit bis zu 80 km/h schon wesentlich schneller voran. Die Sandwege direkt durch den Regenwald mit allerhand Schlaglöchern und Wurzeln machten die Fahrt zu einer echten Adventure Tour (so nannte sich die Variante, die wir für 150 AUD gebucht hatten) und nicht immer angenehm. Der erste Halt war an der Central Station, von wo wir ein paar Schritte durch den Dschungel entlang eines kleinen Baches machten. Wenig später hielten wir am Lake McKenzie, wo die Tourführer das Mittagessen vorbereiteten, während wir eine Runde im kristallklaren Wasser an einem wahnsinnig weißen Sandstrand badeten. Nach dem wirklich guten Mittagessen ging es dann auch schon wieder Richtung Festland, so dass wir um 18 Uhr zurück in Noosa Heads waren. Nach einer Pizza sind wir zum Entspannen wiedermal zum Strand hinunter, wonach wir eigentlich im Youth Hostel noch eine Runde Billard oder Tischtennis spielen wollten. Allerdings hätten wir erst im Youth Hostel bleiben und danach zum Strand runter gehen sollen, da um 23 Uhr die Bürgersteige im Youth Hostel hochgeklappt und natürlich auch die entsprechenden Räume abgeschlossen wurden. An den Umstand, dass hier alles etwas früher anfängt und demzufolge auch früher aufhört, muss man sich wohl erst noch gewöhnen.
Sonntag wollten Christian, Norman und ich noch die Chance nutzen, sich vom Youth Hostel Surfboards kostenlos auszuleihen. Allerdings bot der nahegelegene Strand keine brauchbaren Wellen und zu allem Überfluss war dieser noch hoffnungslos überfüllt. Schließlich brachten wir die Boards schnell zurück und schlossen uns direkt den anderen an, um im Noosa National Park ein paar Schritte zu laufen. Entlang der Küste gab es schöne Strände, steile Felsklippen und springende Wale zu beobachten. An der Alexandria Bay, dem Strand im Osten des National Parks einige Kilometer vom Youth Hostel entfernt, gab es dann die erhofft hohen Wellen. Spaß hat es allerdings auch ohne Surfboard gemacht. Auf dem Rückweg wanderten wir quer durch den National Park, der in abgeschwächter Form dem Regenwald auf Fraser Island glich. Gegen halb 4 ging es mit Bus und Bahn wieder zurück nach Brisbane.
Heute (5.10.) begann das Praktikum bei SAP Research. Christian, der ebenfalls in dem Projekt tätig ist, das ich bearbeiten werde, gab mir schon mal eine kleine Einführung. Alex, mein Supervisor, hatte allerdings heute noch keine Zeit mich einzuweisen - Senior Researcher sind eben viel beschäftigt, sofern sie nicht gerade mal wieder in der Weltgeschichte unterwegs sind. Um 18 Uhr waren weitere SAP-Mitarbeiter und ich wieder (vor zwei Wochen war ich schon einmal dabei) knapp anderthalb Stunden Indoor-Beachvolleyball spielen. Zwar relativ kurz, aber immerhin besser als gar kein Volleyball.